Radonmessung im Winter: Warum die Heizperiode der beste Zeitpunkt ist
Blog · ca. 7 Minuten · October 4, 2026
Im Winter reichert sich Radon stärker in Innenräumen an. Warum Sie die Messung jetzt beginnen sollten, wie lange sie dauert und was die BfS-Karten nicht zeigen.

Kurz gesagt: Die Heizperiode ist der beste Zeitpunkt, um mit einer Radonmessung zu beginnen. Weil Fenster und Türen jetzt meist geschlossen bleiben, reichert sich Radon in Innenräumen stärker an als im Sommer. Eine Messung über die kalte Jahreszeit unterschätzt die Belastung deshalb nicht. Liegt der Wert im Winter niedrig, können Sie ziemlich sicher sein, dass er es auch im Rest des Jahres ist.
Radon ist ein radioaktives Edelgas aus dem Boden, das man weder sieht noch riecht. In den meisten Häusern ist die Konzentration unauffällig, doch das zeigt nur eine Messung. Wer im Herbst anfängt, hat im Frühjahr ein belastbares Ergebnis.
Woran Sie es selbst erkennen
Radon selbst können Sie nicht erkennen, es gibt keine Warnzeichen. Erkennen können Sie aber, ob sich eine Messung bei Ihnen besonders lohnt:
- Aufenthaltsräume mit Erdkontakt — Sie wohnen, schlafen oder arbeiten im Keller oder im Erdgeschoss. Dort ist die Konzentration in der Regel am höchsten.
- Erdberührte Bauteile mit Rissen oder offenen Fugen — Risse in Bodenplatte oder Kellerwand, offene Rohr- und Kabeldurchführungen oder ein Naturboden im Altbaukeller sind mögliche Eintrittswege.
- Lage im Mittelgebirge — Das Bergische Land, das Sauerland und das Siegerland gehören zum Rheinischen Schiefergebirge. Dort kommen Gesteine vor, die mehr Radon liefern können.
- Dichte Fenster, wenig Luftwechsel — Nach einem Fenstertausch oder einer Sanierung der Gebäudehülle tauscht sich die Raumluft langsamer aus.
- Anstehende Entscheidung — Sie planen einen Kellerausbau, eine Sanierung oder einen Verkauf.
Ursachen und Einordnung: Warum gerade im Winter?
Radon entsteht im Boden beim Zerfall von Uran und gelangt über undichte Stellen in erdberührten Bauteilen ins Haus. Wie viel sich drinnen ansammelt, hängt stark davon ab, wie oft die Luft ausgetauscht wird. In der Heizperiode ändern sich dafür gleich mehrere Dinge:
- Weniger Frischluft — Fenster und Türen bleiben öfter geschlossen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nennt das als Grund für höhere Werte in der kalten Jahreszeit.
- Warme Luft steigt auf — Im beheizten Haus steigt warme Luft nach oben. Unten kann dadurch Luft nachströmen, auch aus dem Boden. Erdgeschoss und Keller sind davon am stärksten betroffen.
- Sommerwerte täuschen — Im Sommer wird viel gelüftet. Eine reine Sommermessung fällt deshalb zu niedrig aus und kann eine Belastung übersehen.
Für die Bewertung zählt der Jahresmittelwert. Das Strahlenschutzgesetz nennt für Aufenthaltsräume einen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel. Ein Referenzwert ist kein Grenzwert, sondern eine Schwelle, ab der Sie handeln sollten. Das BfS empfiehlt drei bis zwölf Monate Messdauer, am besten ein volles Jahr. Wer kürzer misst, sollte das im Winter tun, damit der Jahreswert nicht unterschätzt wird. Eine Langzeitmessung über 3 bis 9 Monate, die im Oktober oder November beginnt, deckt die kalte Jahreszeit gut ab.
Und was sagen die Karten?
Das BfS hat seine Karte zu Radon in der Bodenluft im Juli 2026 aktualisiert (Stand 24.07.2026). Sie schätzt Werte auf einem Raster von einem mal einem Kilometer, und das BfS betont selbst, dass sich daraus nichts für einzelne Gebäude oder Grundstücke ableiten lässt. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage (Bundestagsdrucksache 21/7465, August 2026) bestätigt die Bundesregierung, dass eine grundstücksgenaue Bestimmung in der Regel nicht möglich ist. Im Prognosemodell des BfS für Wohnungen wiegen die Eigenschaften des Gebäudes sogar schwerer als der Boden. Die Karte gibt also eine erste Orientierung, ersetzt aber keine Messung.
Auf ein kostenloses Leihgerät vom Bund sollten Sie nicht warten: Laut derselben Antwort ist kein bundesweites Leihprogramm geplant. Die großen Messprogramme des Landes NRW für Wohnhäuser waren regional begrenzt, zuletzt auf Arnsberg, Sundern und Balve sowie auf das Hohe Venn und die Nordeifel. Warum es in NRW keine Radonvorsorgegebiete gibt und was das bedeutet, lesen Sie im Beitrag Keine Radonvorsorgegebiete in NRW.
Was der Sachverständige vor Ort prüft
Der Messwert ist nur so gut wie die Messung. Wenn ich eine Radonmessung anlege oder ein vorhandenes Ergebnis einordne, achte ich auf diese Punkte:
- Auswahl der Räume — Gemessen wird dort, wo Sie sich lange aufhalten, also in Wohn-, Schlaf- oder Arbeitsräumen im Keller und im Erdgeschoss. Ein zusätzlicher Messpunkt im Keller dort, wo Leitungen ins Haus führen, zeigt, ob dort ein Eintrittsweg liegt.
- Aufstellort im Raum — auf einem Regal, mit etwas Abstand zur Wand, nicht im Schrank, nicht über der Heizung und nicht am Fenster. Wie eine Messung insgesamt abläuft, steht im Beitrag Radonmessung: Wie sie wirklich abläuft.
- Messdauer und Messart — Eine Langzeitmessung über 3 bis 9 Monate liefert einen belastbaren Mittelwert. Eine Kurzzeitmessung über wenige Tage ist nur eine Momentaufnahme. Geräte, die den Verlauf aufzeichnen, zeigen zusätzlich, wann die Werte steigen.
- Eintrittswege — Risse in Bodenplatte und Kellerwand, Fugen zwischen Wand und Boden, Rohr- und Kabeldurchführungen. In alten Bruchsteinkellern aus Grauwacke oder Schiefer sind die Wände oft fugenreich und der Boden ist nicht immer dicht.
- Feuchte im Keller — Radon und Feuchte nutzen oft dieselben undichten Stellen. Deshalb messe ich bei Bedarf auch die Materialfeuchte in erdberührten Wänden und betrachte beides zusammen.
- Nutzung und Lüftung — wie gelüftet wird und ob die Kellertür zu den Wohnräumen dicht schließt.
Am Ende steht eine klare Aussage, ob Handlungsbedarf besteht. Wenn ja, folgt eine Empfehlung, welche Maßnahme zur Ursache passt.
Typische Fehlentscheidungen
- Im Sommer messen und sich beruhigt zurücklehnen — Der Sommerwert ist meist der niedrigste im Jahr und sagt wenig über die Belastung im Winter.
- Ein paar Tage messen und hochrechnen — Radon schwankt mit Wetter, Luftdruck und Lüftung. Aus einer Kurzzeitmessung lässt sich kein Jahresmittel ableiten.
- Während der Messung anders lüften als sonst — Das verfälscht das Ergebnis. Leben Sie so wie immer.
- Nur im Abstellraum messen — Ein Wert aus einem selten genutzten Kellerraum hilft bei der Suche nach Eintrittswegen. Wie viel Radon Sie tatsächlich einatmen, zeigt er nicht.
- Der Karte mehr glauben als der Messung — Ein niedriger Gemeindedurchschnitt schließt ein belastetes Haus nicht aus.
- Ohne Kontrollmessung sanieren — Ob Abdichten oder Lüften gewirkt hat, zeigt nur eine neue Messung danach. Welche Maßnahmen in Frage kommen, erklärt der Beitrag Radonschutz im Bestand.
Wann Sie einen Gutachter brauchen – und wann nicht
Eher nicht nötig ist ein Sachverständiger, wenn Sie nur wissen möchten, ob in Ihrem Haus überhaupt nennenswert Radon vorkommt. Dafür reicht oft ein passives Messgerät, ein kleiner Behälter ohne Strom, den Sie selbst aufstellen und einschicken. Laut BfS kostet das mit Auswertung 30 bis 50 Euro, anerkannte Anbieter listet das BfS auf. Liegt der Winterwert deutlich unter dem Referenzwert, ist in der Regel nichts weiter zu tun.
Sinnvoll ist eine fachliche Einschätzung,
- wenn der Wert erhöht ist — und Sie wissen möchten, woher das Radon kommt, bevor Sie Geld in Maßnahmen stecken.
- wenn der Keller zugleich feucht ist — weil dann eine gemeinsame Ursache naheliegt und eine Abdichtung beide Probleme betreffen kann.
- wenn eine Entscheidung ansteht — etwa vor dem Ausbau des Kellers zu Wohnraum, vor einem Kauf oder Verkauf oder vor einer energetischen Sanierung.
- wenn eine Maßnahme überprüft werden soll — mit einer Kontrollmessung nach Abdichtung oder Umbau.
Häufige Fragen
Kann ich auch im Sommer mit der Messung beginnen?
Ja, wenn Sie ein volles Jahr messen. Eine kurze Messung nur in den warmen Monaten unterschätzt die Belastung dagegen meist.
Mein Winterwert liegt über 300 Bq/m³. Muss ich mir Sorgen machen?
Kein Grund zur Panik. Der Referenzwert gilt für das Jahresmittel, und Winterwerte liegen meist darüber. Ein erhöhter Winterwert ist aber ein klarer Hinweis, dass Sie handeln sollten. Oft helfen schon konsequentes Lüften und dichte Durchführungen. Ob das reicht, zeigt eine Kontrollmessung.
Zeigt die Radonkarte des BfS, ob mein Haus belastet ist?
Nein. Die Karten sind Prognosen für Rasterflächen oder Gemeinden. Das BfS weist selbst darauf hin, dass sie keine Aussage über einzelne Gebäude erlauben. Wie das Gas in NRW verteilt ist, beschreibt der Beitrag Radon in NRW: Wo das Gas vorkommt.
Selbst messen oder messen lassen?
Für eine erste Orientierung können Sie selbst messen. Bei mir umfasst die Radonmessung das Aufstellen und Abholen des Geräts, die Auswertung mit kurzem schriftlichem Ergebnis sowie eine Begehung mit Maßnahmenempfehlung. Sie kostet 390 Euro, wenn ich das Gerät beim Analysetermin aufstelle, und 890 Euro, wenn dafür ein eigener Termin nötig ist (jeweils inklusive MwSt.). Sinnvoll ist sie vor allem dann, wenn Sie das Ergebnis fachlich einordnen lassen möchten oder ein erhöhter Wert geklärt werden muss. Welche Variante zu Ihrer Frage passt, bespreche ich vorher mit Ihnen. Mehr dazu auf der Seite Radonmessung.
Sie möchten Ihre Radonmessung in dieser Heizperiode beginnen oder ein vorhandenes Ergebnis einordnen lassen? Als Bausachverständiger kläre ich das neutral, im Oberbergischen Kreis und Umgebung. Wie ich beim Thema Radon vorgehe, lesen Sie auf der Seite Radon. Weitere Hinweise für Ihre Situation finden Sie auf der Seite für Privateigentümer. Sie erhalten werktags innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung, einen Vor-Ort-Termin in der Regel innerhalb von 1–2 Wochen.
Quellen: Bundesamt für Strahlenschutz, Radon-Messung (Stand 09.03.2026); BfS, Radon in der Bodenluft (Stand 24.07.2026); Antwort der Bundesregierung, BT-Drucksache 21/7465 (03.08.2026); Zentrale Radonstelle des Landes NRW (Messprogramme).
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Nicht jeder Riss ist gefährlich. Ich bewerte Verlauf und Breite und sage Ihnen, ob der Riss nur optisch stört, beobachtet werden sollte oder ein Statiker ihn prüfen muss.

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Ich messe die Belastung in Ihren Räumen, vergleiche sie mit dem gesetzlichen Referenzwert von 300 Bq/m³ und sage Ihnen, ob Maßnahmen nötig sind.

Schimmel ist meist nur das Symptom. Ich kläre, ob Feuchtigkeit von außen, eine Wärmebrücke oder das Lüften dahintersteckt, damit er nach dem Entfernen nicht wiederkommt.

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