Luftfeuchtigkeit in der Wohnung: Welche Werte normal sind und wie Sie messen
Blog · ca. 8 Minuten · October 3, 2026
Luftfeuchtigkeit in der Wohnung: Welche Werte das UBA nennt, welches Hygrometer taugt, wo Sie es aufstellen und warum die Wand mehr zählt.

Kurz gesagt: Für Wohnräume nennt das Umweltbundesamt (UBA) eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent als günstigen Bereich. Entscheidend ist, wie feucht es über Tage und Wochen ist und wie kalt die Wandoberflächen sind, denn Schimmel entsteht an der Wand, nicht in der Raummitte.
Viele Mieter und Vermieter kaufen ein Hygrometer (ein Messgerät für die Luftfeuchte), sobald der erste Fleck auftaucht, und sind dann unsicher: Ist 58 Prozent zu viel? Warum zeigt das Gerät morgens etwas anderes als abends? Das ist normal und meist kein Grund zur Sorge. Dieser Beitrag erklärt, was die Anzeige bedeutet, wie Sie richtig messen und wie ein brauchbares Messprotokoll aussieht.
Woran Sie es selbst erkennen
Diese Beobachtungen sprechen dafür, dass die Raumluft zu viel Feuchte trägt oder sich an kalten Stellen niederschlägt:
- Beschlagene Scheiben am Morgen — vor allem im Schlafzimmer, oft mit Wasser in der unteren Rahmenecke.
- Hohe Werte, die lange nicht sinken — nach dem Duschen oder Kochen steigt die Anzeige immer. Bleibt sie aber über Stunden hoch, wird zu wenig Feuchte abgeführt.
- Klamme Stellen an Außenwänden — Ecken, Fensterlaibungen (die seitlichen Wandflächen am Fenster) oder die Wand hinter dem Schrank fühlen sich kühl und feucht an.
- Erste dunkle Punkte — an den kältesten Stellen des Raums. Dann ist die Frage nicht mehr nur die Luftfeuchte, sondern die Ursache. Einen Überblick gibt der Leitartikel Schimmel in der Wohnung.
Ursachen und Einordnung: Was die Anzeige wirklich bedeutet
Relative und absolute Feuchte, einfach erklärt
Die absolute Feuchte gibt an, wie viel Wasserdampf tatsächlich in der Luft steckt, zum Beispiel in Gramm pro Kubikmeter. Die relative Feuchte, die Ihr Hygrometer in Prozent anzeigt, beschreibt dagegen, wie weit die Luft bei ihrer aktuellen Temperatur schon mit Wasserdampf „gefüllt“ ist. Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Deshalb ändert sich die relative Feuchte schon dann, wenn sich nur die Temperatur ändert und kein Tropfen Wasser dazukommt.
Das erklärt auch, warum Lüften im Winter so gut wirkt. Der UBA-Schimmelleitfaden rechnet vor: Kalte Winterluft, die draußen feucht wirkt, enthält absolut nur wenig Wasser. Erwärmt sie sich in der Wohnung, sinkt ihre relative Feuchte stark, und sie kann Feuchte aus dem Raum aufnehmen und beim nächsten Lüften hinaustragen.
Warum die Wand wichtiger ist als die Raummitte
Ihr Hygrometer misst die Luft dort, wo es steht. Schimmel wächst aber an der Oberfläche von Wänden, Decken und Möbeln. Kühlt die Raumluft an einer kalten Außenwand ab, steigt dort die relative Feuchte, obwohl die Luft genauso viel Wasser enthält wie in der Raummitte. Der UBA-Leitfaden zeigt das an einem Beispiel: Raumluft mit 22 °C und 50 Prozent relativer Feuchte erreicht an einer Wandoberfläche von 14,5 °C bereits rund 80 Prozent. Kühlt die Wand weiter ab, wird bei etwa 11 °C der Taupunkt erreicht, und es bildet sich Tauwasser. Wie das zusammenhängt, erklärt der Beitrag Kondensationsfeuchte: Woran Sie Kondensat an der Wand erkennen.
Für Schimmelwachstum reicht laut Leitfaden eine relative Feuchte von 70 bis 80 Prozent an der Materialoberfläche, wenn sie über längere Zeit anhält. Die Wand muss dafür nicht sichtbar nass sein. Deshalb ist die Oberflächentemperatur die eigentlich entscheidende Größe: Dieselbe Raumluft ist an einer warmen Innenwand unkritisch und an einer kalten Außenecke problematisch.
Kennen Sie Raumtemperatur, Luftfeuchte und die Temperatur der Wand, schätzt der Taupunkt-Rechner ab, wie nah die Stelle am kritischen Bereich liegt.
Warum ein Einzelwert wenig sagt
Die Luftfeuchte schwankt ständig: nachts, nach dem Duschen, beim Kochen, mit Wetter und Jahreszeit. Eine Momentaufnahme von 65 Prozent nach dem Duschen ist kein Befund, eine Woche lang durchgehend hohe Werte im Schlafzimmer dagegen schon eher. Gerade zu Beginn der Heizperiode verändert sich das Raumklima deutlich, wie der Beitrag Schimmel in der Heizperiode zeigt.
Richtig messen: Hygrometer platzieren und ablesen
Wie wird Luftfeuchtigkeit gemessen?
Die Luftfeuchtigkeit messen Sie mit einem Hygrometer. Für zu Hause gibt es im Wesentlichen drei Bauarten:
- Mechanische Hygrometer — mit Zeiger. Im Inneren arbeitet ein Haar oder eine Kunstfaser, die sich mit der Feuchte dehnt und wieder zusammenzieht. Sie brauchen keinen Strom, reagieren aber träge und müssen von Zeit zu Zeit nachgestellt werden.
- Elektronische Thermo-Hygrometer — mit Display. Ein kleiner Sensor ändert seine elektrischen Eigenschaften, wenn er Feuchte aufnimmt. Die Geräte zeigen Temperatur und relative Feuchte zugleich und sind die üblichen Geräte aus dem Baumarkt.
- Datenlogger — elektronische Geräte, die Temperatur und Feuchte in festen Abständen speichern. Damit sehen Sie den Verlauf über Tage und Wochen statt einer Momentaufnahme.
Alle drei messen die Luft, nicht die Wand. Wie feucht Putz und Mauerwerk sind, ist eine eigene Messgröße, die Materialfeuchte. Die häufigsten Messfehler liegen weniger am Gerät als am Ort und an der Gewohnheit:
- Wärme in der Nähe — Heizkörper, Sonne, eine Lampe oder Ihre Hand erwärmen den Sensor. Wärmere Luft zeigt eine niedrigere relative Feuchte an, der Raum wirkt trockener, als er ist.
- Kälte in der Nähe — direkt am Fenster oder an der Außenwand zeigt das Gerät mehr Feuchte an als in der Raummitte. Das ist kein Fehler, sondern genau der Effekt, um den es bei Schimmel geht. Sie sollten ihn nur kennen, wenn Sie Werte vergleichen.
- Geräte nicht abgeglichen — stellen Sie mehrere Geräte vor dem Einsatz einen Tag nebeneinander und notieren Sie, um wie viel sie voneinander abweichen. Erst dann lassen sich Werte aus verschiedenen Räumen vergleichen.
- Altes Gerät — Sensoren und Fasern können mit der Zeit abweichen. Bei einem älteren Gerät lohnt der Vergleich mit einem zweiten.
Hygrometer richtig aufstellen und ablesen
Einfache elektronische Thermo-Hygrometer, die Temperatur und Luftfeuchte zugleich anzeigen, gibt es günstig im Baumarkt. Der UBA-Leitfaden hält sie zur Eigenkontrolle für geeignet, weist aber darauf hin, dass sie nur eine grobe Einschätzung erlauben. So holen Sie das Beste heraus:
- Richtig aufstellen — etwa in Raummitte oder an einer Innenwand, in Aufenthaltshöhe. Nicht direkt über der Heizung, nicht in der Sonne, nicht neben dem Wasserkocher oder dem Wäscheständer.
- Ankommen lassen — nach dem Umstellen braucht das Gerät eine Weile, bis es die Raumbedingungen anzeigt. Lesen Sie erst danach ab.
- Zu festen Zeiten ablesen — zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen, mittags und abends. So werden die Werte vergleichbar.
- Kritische Stellen vergleichen — stellen Sie das Gerät zusätzlich für einige Zeit in eine Außenecke oder in die Nähe einer kühlen Außenwand. Steigt der Wert dort deutlich, ist die Wand kälter als der Raum.
- Nicht auf das Komma schauen — einfache Geräte weichen voneinander ab. Aussagekräftig ist der Verlauf, nicht ein einzelner Prozentpunkt.
Ein einfaches Messprotokoll für Mieter und Vermieter
Ein Protokoll hilft beiden Seiten, weil es aus Vermutungen nachvollziehbare Daten macht. Notieren Sie über einige Wochen:
- Datum und Uhrzeit — immer zu denselben Zeiten.
- Raum, Temperatur und relative Feuchte — je Raum eine eigene Zeile.
- Lüften und Heizen — wann und wie lange gelüftet wurde, Thermostatstellung, ob Türen offen oder geschlossen waren.
- Besondere Feuchtequellen — Duschen, Kochen, Wäsche in der Wohnung.
- Beobachtungen — beschlagene Scheiben, neue Flecken, Wetter.
Wie Sie das Protokoll mit Fotos und einer schriftlichen Mängelanzeige verbinden, beschreibt der Beitrag Schimmel dokumentieren: So gehen Mieter richtig vor. Wie Sie auf hohe Werte reagieren, erklärt Richtig Lüften laut UBA.
Was der Sachverständige vor Ort prüft
Wenn die Werte hoch bleiben oder Schimmel zurückkehrt, reicht das Hygrometer nicht mehr aus. Ich messe dann gezielt dort, wo das Problem entsteht:
- Oberflächentemperatur — mit Infrarot-Thermometer oder Wärmebildkamera an mehreren Stellen, besonders an Ecken, Laibungen und hinter Möbeln. Zusammen mit Raumtemperatur und Luftfeuchte lässt sich berechnen, wie feucht es direkt an der Wand ist.
- Langzeitmessung mit Datenloggern — kleine Geräte, die Temperatur und Luftfeuchte über mehrere Wochen aufzeichnen, im Raum, an vermutet kühlen Stellen und bei Bedarf außen. Der UBA-Leitfaden hält solche Aufzeichnungen, gerade in der kalten Jahreszeit, für aussagekräftiger als Einzelmessungen, weil sie auch das Lüftungsverhalten sichtbar machen. Ich biete sie als Zusatzleistung Langzeitmessungen an, siehe Preise.
- Materialfeuchte — Messungen mit dem kapazitiven Messverfahren in Putz und Mauerwerk zeigen, ob nur die Oberfläche feucht ist oder Feuchte aus der Konstruktion kommt.
- Bauteilanalyse — Wärmebrücken, Fensteranschlüsse, Rollladenkästen, Dämmzustand. Im Oberbergischen und im Bergischen Land stoße ich dabei häufig auf ältere, ungedämmte Außenwände und auf verschiefertes Fachwerk mit nachträglicher Innendämmung.
Typische Fehlentscheidungen
- Nach einem Einzelwert urteilen — ein hoher Wert nach dem Duschen beweist nichts, ein guter Wert am Nachmittag auch nicht.
- Nur die Raummitte messen — Schimmel entsteht an der kältesten Stelle, nicht dort, wo das Hygrometer steht.
- Luftentfeuchter statt Ursachensuche — ein Gerät kann die Werte senken, verdeckt aber eine Wärmebrücke oder eine feuchte Wand.
- Räume auskühlen lassen — kühle Wände erhöhen die Feuchte an der Oberfläche, selbst wenn der Raum wenig genutzt wird.
- Messwerte als Streitmittel — einseitig gesammelte Werte überzeugen die andere Seite selten. Besser ist ein gemeinsam vereinbartes Protokoll oder eine fachliche Messung durch einen Sachverständigen, der nicht an der Sanierung verdient.
Wann Sie einen Gutachter brauchen und wann nicht
Eher nicht nötig ist ein Gutachter, wenn die Werte nach angepasstem Lüften und Heizen sinken, keine Flecken auftreten und die Scheiben nicht mehr beschlagen.
Sinnvoll ist eine fachliche Messung, wenn Schimmel trotz Protokoll und angepasstem Verhalten wiederkommt, wenn Mieter und Vermieter die Ursache unterschiedlich sehen oder wenn einzelne Wandbereiche deutlich kälter oder feuchter sind als der Rest. Für Mieter finden Sie Hinweise auf der Seite für Mieter, für Eigentümer auf der Seite für Vermieter.
Häufige Fragen
Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Wohnung normal?
Das UBA nennt für die Raumluft einen Bereich von 40 bis 60 Prozent relativer Feuchte. Kurzzeitige Spitzen nach Duschen oder Kochen sind normal. Wichtig ist, dass die Werte danach durch Lüften wieder sinken.
Welche Luftfeuchtigkeit ist im Schlafzimmer richtig?
Einen eigenen Wert für das Schlafzimmer nennt das UBA nicht. Es gilt derselbe Bereich von 40 bis 60 Prozent wie für die übrige Wohnung. Über Nacht steigt die Feuchte, denn laut UBA-Schimmelleitfaden gibt jede Person pro Nacht etwa einen Viertelliter Wasser an die Raumluft ab. Ein höherer Wert direkt nach dem Aufwachen ist deshalb normal. Das UBA rät, morgens nach dem Aufstehen 5 bis 10 Minuten bei weit geöffnetem Fenster zu lüften, die Tür zu wärmeren Räumen geschlossen zu halten und das Schlafzimmer nicht auskühlen zu lassen. Im Allgemeinen reichen dafür 16 bis 18 °C. Mehr dazu im Beitrag Schimmel im Schlafzimmer.
Wo stelle ich das Hygrometer am besten auf?
Für den Raumwert in Aufenthaltshöhe an einer Innenwand, fern von Heizung, Sonne und Feuchtequellen. Für kritische Stellen zusätzlich zeitweise in Außenecken oder nahe der Außenwand.
Reicht mein Hygrometer als Nachweis im Streit mit dem Vermieter?
Ein sorgfältig geführtes Protokoll ist eine gute Grundlage, ersetzt aber keine fachliche Messung. Rechtliche Fragen klären Sie bitte mit einer Anwältin, einem Anwalt oder dem Mieterverein.
Sie messen seit Wochen und wissen nicht, ob es an der Luft oder an der Wand liegt? Als Bausachverständiger und Fachkraft für Schimmelpilzsanierung kläre ich die Ursache mit Messungen vor Ort, unabhängig von Sanierungsfirmen und als Privatgutachten für Sie als Auftraggeber, im Oberbergischen Kreis und Umgebung. Mehr zu meinem Vorgehen lesen Sie auf der Seite Schimmelschaden. Sie erhalten werktags innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung, einen Vor-Ort-Termin in der Regel innerhalb von 1–2 Wochen.
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Beschreiben Sie kurz, was Sie beobachten, oder rufen Sie mich an. Ich melde mich werktags innerhalb von 24 Stunden und bespreche die nächsten Schritte.
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