Blog · ca. 4 Minuten · June 25, 2026
Beton schützt seinen Stahl chemisch – aber nicht für immer. Was Karbonatisierung ist, warum sie mit den Jahren fortschreitet und wie man sie nachweist.

Abplatzungen an Balkonen, Garagen oder Sichtbetonfassaden haben oft dieselbe Vorgeschichte: Der Beton hat über Jahrzehnte seine Fähigkeit verloren, den Bewehrungsstahl vor Rost zu schützen. Der Fachbegriff dafür ist Karbonatisierung.
Frischer Beton ist stark alkalisch. In dieser Umgebung bildet sich auf dem Bewehrungsstahl eine hauchdünne Schutzschicht, die Korrosion verhindert – man spricht von Passivierung. Solange der Stahl von ausreichend dickem, alkalischem Beton umgeben ist, bleibt er geschützt.
Das Kohlendioxid aus der Luft dringt langsam in den Beton ein und reagiert dort mit den alkalischen Bestandteilen. Dabei sinkt der pH-Wert. Diese Front wandert über die Jahre von der Oberfläche nach innen. Erreicht sie die Bewehrung, verliert der Stahl seinen Schutz. Kommt dann Feuchtigkeit hinzu, beginnt er zu rosten.
Rost nimmt deutlich mehr Volumen ein als der ursprüngliche Stahl. Der Druck sprengt die darüberliegende Betonschicht ab – typischerweise dort, wo die Betondeckung gering ist, etwa an Kanten, Balkonstirnseiten oder Stützen.
An einer frischen Bruchfläche oder einem Bohrkern wird eine Indikatorlösung aufgesprüht. Nicht karbonatisierter Beton färbt sich violett, karbonatisierter bleibt farblos. So lässt sich die Karbonatisierungstiefe direkt ablesen und mit der gemessenen Betondeckung vergleichen. Daraus ergibt sich, ob die Bewehrung bereits gefährdet ist.
Wie aus Karbonatisierung Schäden an Balkonen werden, lesen Sie im Beitrag Betonabplatzungen am Balkon. Mehr auf unserer Seite zur Betonsanierung.
Wie Karbonatisierung mit anderen Betonschäden zusammenhängt, zeigt der Ratgeber Risse und Betonschäden: Was harmlos ist und was nicht.
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