Horizontalsperre im Bruchstein: Injektion bei Hohlräumen und Fugen
Blog · ca. 8 Minuten · June 30, 2026
Horizontalsperre im Bruchstein: Warum Injektionen bei Hohlräumen und unregelmäßigen Fugen schwierig sind, was vorher geklärt sein muss und was ich messe.

Kurz gesagt: Eine Horizontalsperre im Bruchstein ist schwieriger herzustellen als im Ziegelmauerwerk. Flüssige Injektionsstoffe brauchen ein Mauerwerk, in dem sie sich gleichmäßig verteilen, und Hohlräume und unregelmäßige Fugen verhindern das oft. Ob Ihre Wand überhaupt eine Horizontalsperre braucht, zeigt erst die Messung, denn Feuchte in einer Bruchsteinwand kann auch von außen oder aus der Raumluft kommen.
Bruchsteinkeller, wie es sie im Oberbergischen Kreis und im Bergischen Land in vielen älteren Häusern gibt, haben beim Bau in der Regel keine Abdichtung im heutigen Sinn bekommen. Wer eine feuchte Kellerwand hat, bekommt deshalb schnell ein Angebot für eine Injektion. Hier erkläre ich, was bei Natursteinwänden anders ist und was vorher geklärt sein sollte.
Woran Sie aufsteigende Feuchte erkennen und woran nicht
- Gleichmäßiger Saum über dem Boden: Die Wand ist unten feucht, darüber zeigt sich oft ein Rand aus Salzen.
- Ganzjährig ähnlich: Das Bild ändert sich wenig mit Wetter und Jahreszeit.
- Auch an Innenwänden: Wände, die kein Erdreich berühren, aber auf dem Boden stehen, zeigen denselben Saum.
Andere Zeichen sprechen eher gegen aufsteigende Feuchte:
- Nach Regen stärker, am Hang vor allem bergseitig: Das spricht für Wasser, das von außen durch die Wand kommt.
- Vor allem im Sommer feucht, Rohre beschlagen: Das spricht für Kondensat aus der Raumluft.
- Feucht trotz trockener Witterung, schwankend mit der Luftfeuchte: Das spricht für Salze, die Feuchte aus der Luft ziehen.
Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts (UBA) beschreibt, dass sich die Herkunft der Feuchte über Feuchteprofile und den Aufbau des Bauteils ermitteln lässt, dass in der Praxis aber oft Mischfälle vorliegen. Mehr dazu im Beitrag Aufsteigende Feuchte: Woran Sie sie erkennen und wann eine Horizontalsperre hilft.
Horizontalsperre im Bruchstein: Warum Injektionen hier schwierig sind
Bei einer Injektion wird eine Reihe von Bohrlöchern gesetzt und ein Injektionsstoff eingebracht, drucklos oder mit Druck. Der Stoff soll die feinen Poren im Mauerwerk, die Kapillaren, verschließen, verengen oder wasserabweisend machen, damit das Wasser nicht mehr nach oben wandert.
Im Ziegelmauerwerk liegen die Fugen in einer Ebene, und der Stoff verteilt sich vergleichsweise gleichmäßig. Im Bruchstein ist das anders:
- Fugen nicht in einer Ebene: Die Steine haben unterschiedliche Größen, die Lagerfugen springen.
- Unregelmäßiges Inneres: Auch Steine mit glatter Sichtseite sind zum Mauerinneren hin unregelmäßig geformt.
- Hohlräume und Füllungen: Die Zwischenräume wurden beim Bau oft ungleichmäßig mit Gesteinsbruch und Mörtel gefüllt.
In solchen Hohlräumen kann sich flüssiger Injektionsstoff sammeln und nach unten versickern, ohne dass eine durchgehende Sperrschicht entsteht. Genau diese Lücken lassen die Feuchte später weiter aufsteigen.
Was vor der Injektion passieren muss
Hohlräume und Vorverfüllung
In der Fachliteratur wird beschrieben, Hohlräume vorab über die Bohrungen mit einem Injektionsmörtel zu füllen und den Dichtstoff danach einzubringen, damit er nicht versickert. Ob dieser Weg, ein anderes Verfahren oder gar keine Sperre zu Ihrer Wand passt, entscheide ich im Einzelfall nach dem Befund. Der UBA-Leitfaden weist zudem darauf hin, dass für eine Horizontalsperre unter Umständen Mauerwerk ausgetauscht werden muss.
Fugen
Sanden die Kalkmörtelfugen oder sind sie tief ausgewaschen, gehört ihr Zustand in die Planung. Was bei alten Natursteinwänden sonst anders ist, steht im Ratgeber Bruchsteinkeller sanieren.
Durchfeuchtung und Salze
Wie gut ein Injektionsstoff wirkt, hängt davon ab, wie nass das Mauerwerk ist. Sind die Poren voll Wasser, nehmen sie kaum Stoff auf. Injektionsstoffe werden deshalb für bestimmte Durchfeuchtungsgrade geprüft. Fragen Sie den Anbieter, für welchen Durchfeuchtungsgrad der vorgesehene Stoff zertifiziert ist, und vergleichen Sie das mit den Messwerten Ihrer Wand. Salze in der Wand bleiben auch nach einer Sperre dort und beeinflussen die Wahl des Putzes.
Welche Verfahren es gibt
- Injektion: Für Injektionen gegen kapillar aufsteigende Feuchte gilt das WTA-Merkblatt 4-10 in der Ausgabe vom März 2024. Die WTA ist eine Fachvereinigung für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege. Nach dem Merkblatt hängt der Erfolg vor allem von richtiger Planung und sorgfältiger Ausführung mit zertifizierten Injektionsstoffen ab. Es beschreibt außerdem Anwendungsgrenzen, begleitende Maßnahmen und die Qualitätskontrolle.
- Paraffin: Erhitztes, flüssiges Paraffin verschließt die Poren. Damit das Mauerwerk es aufnehmen kann, wird es vorher erwärmt und vorgetrocknet. Bei stark durchfeuchtetem Mauerwerk plane ich das Paraffinverfahren häufig. Wie es funktioniert, erkläre ich im Beitrag Paraffin als Horizontalsperre.
- Mechanische Verfahren: Der UBA-Leitfaden nennt sie neben der Bohrlochinjektion. Eingetriebene Bleche brauchen allerdings eine durchgehende Lagerfuge. Bei Natursteinwänden aus unterschiedlich hohen Steinen fehlt sie.
Ein bestes Verfahren gibt es nicht. Es gibt das passende zur Ursache und zur Wand. Einen Überblick über alle Verfahren gibt der Beitrag „Mauerwerk trockenlegen: Welche Verfahren zu welcher Ursache passen“.
Was ich vor Ort prüfe
- Feuchteverteilung: Ich messe die Materialfeuchte mit einem kapazitiven Messverfahren an vielen Punkten, in mehreren Höhen, an Außen- und Innenwänden. Bei Natursteinmauerwerk lese ich die Werte im Vergleich, nicht als Einzelzahl.
- Feuchteprofil bei Bedarf: Bohrmehlproben aus mehreren Höhen und Tiefen, je nach Fall aus dem Stein oder aus der Fuge, nach Absprache vor Ort mit der CM-Methode gemessen oder im Labor ausgewertet. Die Probenentnahme kostet ab 120 € je Beprobung, gesondert und vorher mit Ihnen abgesprochen. Mehr zur Feuchtemessung im Mauerwerk.
- Wandaufbau: Steine, Fugen, Putz und Spuren früherer Sanierungen, etwa alte Bohrlochreihen.
- Salze: bei Bedarf eine Salzanalyse im Labor, ab 75 € je Probe.
- Außen am Haus: Rinnen, Fallrohre, Gefälle, Sockel. Kommt das Wasser von dort, hilft keine Sperre.
- Vorher und nachher: Dieselben Messpunkte nach der Maßnahme zeigen, ob sie gewirkt hat.
Warum Messgeräte an Bruchstein oft „nass“ anzeigen, erkläre ich im Beitrag Feuchtemessung im Bruchsteinkeller. Am Ende steht der ehrliche Befund: ob eine Horizontalsperre nötig ist und, wenn ja, was vorher geklärt sein muss.
Typische Fehlentscheidungen
- Injektion auf Verdacht: Ohne Feuchteprofil ist offen, ob die Feuchte überhaupt von unten kommt.
- Sperre gegen Wasser von außen: Eine Horizontalsperre wirkt nur gegen aufsteigende Feuchte, nicht gegen Wasser, das seitlich durch die Wand drückt.
- Hohlräume nicht bedacht: Der Stoff versickert, die Sperre bleibt lückenhaft.
- Keine Nachmessung: Ohne Vergleichswerte von vorher weiß niemand, ob die Wand trockener geworden ist.
- Sofort dicht verputzen: Die Wand braucht nach der Maßnahme Zeit zum Austrocknen. Wann sie trocken genug ist, zeigt eine Messung.
Weitere Beispiele stehen im Beitrag Wenn das Verfahren nicht zur Ursache passt.
Wann Sie einen Gutachter brauchen und wann nicht
Eher nicht nötig ist ein Sachverständiger, wenn Ihr Keller als Lager dient, die Wände seit Jahren unverändert aussehen, nichts schimmelt und niemand eine Injektion vorschlägt.
Sinnvoll ist eine Messung, bevor Sie ein Angebot über eine Horizontalsperre unterschreiben, wenn mehrere Angebote mit verschiedenen Verfahren vorliegen, wenn eine frühere Injektion nichts gebracht hat oder wenn Sie ein Haus mit Bruchsteinkeller kaufen wollen. Weitere Hinweise finden Sie auf der Seite für Privateigentümer.
Häufige Fragen
Hilft eine Horizontalsperre bei Bruchstein?
Das hängt von der Wand ab. Sie hilft nur gegen aufsteigende Feuchte, und sie muss durchgehend sein. Ob das bei Ihrer Wand mit Hohlräumen und wechselnden Fugen erreichbar ist, entscheidet der Befund im Einzelfall.
Hat mein Bruchsteinkeller gar keine Sperre?
Meist keine im heutigen Sinn. Früher wurden teils dichte Steinlagen, Schieferplatten oder Teerpappen als Sperrschicht eingebaut. Ob in Ihrer Wand so eine Lage steckt und ob sie noch wirkt, sieht man von außen nicht. Das Feuchteprofil gibt Hinweise.
Wie erkenne ich, ob die Injektion gewirkt hat?
An einer Messung vorher und nachher an denselben Punkten unter vergleichbaren Bedingungen. Wie lange die Wand zum Austrocknen braucht, hängt von Wanddicke, Salzgehalt und Raumklima ab. Eine pauschale Dauer nenne ich nicht.
Was kostet die Einschätzung?
Der Analysetermin kostet ab 510 €, das Gutachten ab 1.370 €, das Sanierungskonzept ab 1.890 €, jeweils inkl. MwSt. und Anfahrt. Der Analysetermin wird bei einem Gutachten oder Sanierungskonzept angerechnet. Proben kommen gesondert hinzu.
Ihnen liegt ein Angebot für eine Horizontalsperre im Bruchstein vor, und Sie sind unsicher? Schreiben Sie mir kurz, was angeboten wurde und wo die Wand feucht ist, gern mit Fotos über das Formular. Wie ich bei feuchten Kellern vorgehe, steht auf der Seite Kellersanierung. Was ich bei Bruchsteinkellern untersuche, fasst die Seite Bruchsteinkeller zusammen. Mein Büro liegt in Nümbrecht, ich bin im Umkreis von etwa einer Stunde Fahrzeit tätig. Sie erhalten werktags innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung, einen Vor-Ort-Termin in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Wochen. Termin anfragen
Quellen: Umweltbundesamt, Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden, S. 136 und 137; WTA-Merkblatt 4-10-24/D „Injektionsverfahren mit zertifizierten Injektionsstoffen gegen kapillaren Feuchtetransport“, Ausgabe 03.2024.
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